Mein Praxisvergleich zwischen Apple Mac und Windows

Stefan - 18. Februar 2008

Seit drei Jahren etwa arbeite ich nun überwiegend auf dem Mac, erst auf einem G4 iBook, seit etwa zwölf Monaten auf dem MacBook. In den Neunzigern hatte ich auch schon hin und wieder sowohl privat als auch am Lehrstuhl Macs genutzt, war aber nie ganz umgestiegen. Mit den diversen Windowsen bin ich seit etwa 1992 am Werkeln, meist in einer Art Hassliebe verbunden, so dass ich auch mehrmals versucht habe auf Linux zu wechseln, aber das hat nie so ganz geklappt.

Meine inzwischen recht intensiven Erfahrungen auf Mac- und Windows-Systemen, möchte ich zu einem kleinen Vergleich nutzen. Natürlich ist dieser Vergleich höchst subjektiv. Ich gehe von meinen Anforderungen und Erfahrungen aus. Ein Grafikdesigner zum Beispiel wird natürlich andere Schwerpunkte setzen und andere Schwachpunkte feststellen; ebenso wird das Fazit eines Hardcore-Gamers anders ausfallen als meine Schlussfolgerung. Das nur als Vorwarnung an die Trolle jedweder Richtung.

Auch werde ich nicht auf die hinlänglich bekannten Vor- und Nachteile beider Betriebssystemfamilien eingehen, wo ich zumeist Vorteile für den Mac sehe: Ja, der Mac läuft in der Tat stabiler; mein MacBook brauche ich wochenlang nicht neuzustarten, sondern lege es einfach schlafen ohne negative Auswirkungen auf die Systemzuverlässigkeit. Die meisten Sachen funktionieren auf dem Apfelrechner so, wie sie sollen und das fällt mir erst dann wieder auf, wenn ich an einem Windowsrechner sitze, wo das nicht immer der Fall ist. Ein richtiges Unix als Unterbau zu haben, erweist sich regelmäßig als äußerst hilfreich: die Konsole habe ich ständig offen und manchmal fällt mir nur dann auf, wie hilfreich das ist, wenn ein Kollege jammert, dass er den großen MySQL-Dump nicht in seine lokale MySQL-Datenbank bekommt, weil sich sein PhpMyAdmin beschwert, die Datei sei zu groß. Über die Konsole ist sowas ruckzuck erledigt. In den meisten Fällen ist ein Mac ein perfekter Kompromiss zwischen Linux und Windows.

Editoren

Aber manchmal merkt man halt doch, dass der Mac ein Kompromiss ist. Besonders intensiv fällt mir das bei den Editoren auf. Textmate ist ein hervorragendes Stück Software, die Bedienung und viele Kleinigkeiten sind eine Wonne und ich würde ihm ganz eindeutig die Auszeichnung „Bester Editor der Welt“ verleihen, gäbe es da nicht ein paar Dinge, bei denen er fürchterlich patzt. Auch Smultron ist für eine kostenlose Software wirklich sehr gut; und natürlich hab ich auch Textwrangler, BBEdit und sogar Emacs (der ist auf dem Mac genau so katastrophal wie auf allen anderen Plattformen) ausprobiert. Aber keiner kommt auch nur annähernd an Ultraedit unter Windows heran.

Große Textdateien: Öffnet man mit Textmate eine große Textdatei, fragt er nach, ob man das wirklich machen möchte. Ist man so mutig, darauf mit „Ja“ zu antworten, wird man mit einem Editor belohnt, der so lahm wird wie weiland Word für Windows 2.0 auf einem 386SX mit 16 Mhz. Das richtig schlimme daran ist, dass „groß“ noch nicht mal wirklich groß bedeutet: Bereits eine 20MB umfassende Logdatei führt zum geschilderten Verhalten. Lediglich die Tatsache, dass derartige Textdateien dank des Unixunterbaus gut auf der Konsole zu traktieren sind, macht dieses Verhalten erträglich. Ultraedit unter Windows hingegen kann sogar gut mit Dateien umgehen, die größer sind als der verfügbare Speicher.

Unicode-Unterstützung: Die Unterstützung von Textmate für eine abwechselnde Nutzung von Latin1- und UTF-8-Dateien ist verwirrend, gelinde formuliert. Während Ultraedit die Kodierung problemlos erkennt und die Umwandlung nur einen Klick erfordert, läuft Textmate nur dann ohne Ärger, wenn ich ihm entweder nur Latin1- oder nur UTF-8-Dateien präsentiere. Jubelt man ihm aber eine „falsche“ Datei unter, passiert es regelmäßig, wenn auch nicht immer, dass er die Kodierung vermurkst.

Zusammengefasst heißt das einfach nur, dass Textmate sich schlechter auf wechselnde Anforderungen einstellen kann als Ultraedit – das aber ist für mich eine wichtige Eigenschaft eines Allzweck-Editors. (Wer umgekehrt gerne Textmate hätte, aber der Mac dazu fehlt, kann sich eventuell mit zwei aktuellen Projekten trösten, die versuchen Textmate auf Windows zu übertragen: Intype und E-TextEditor.)

Subversion Clients

Viele Jahre lang waren mir die Software-Verwaltungstools wie CVS oder Subversion suspekt. Das klang alles viel zu kompliziert um wirklich nützlich zu sein. Irgendwann aber habe ich mich doch mit Subversion beschäftigt und es ausprobiert und bin seither richtiggehend angetan davon. Einen großen Beitrag zu meiner Begeisterung leistete TortoiseSVN, ein Subversion Client, der sich in den Windows Explorer integriert und für Arbeitskopien den Zustand über eine kleines Symbol anzeigt. Das ist ungemein praktisch, funktioniert hervorragend und integriert sich gut in meinen Workflow.

Für den Mac gibt es mit SCPlugin ein ähnliches Produkt, das aber leider noch weit von der Zuverlässigkeit von TortoiseSVN entfernt ist. Änderungen an den Dateien spiegelt SCPlugin häufig gar nicht oder erst mit großer Verspätung in den Statussymbolen wider. Der Vorteil eines solchen Tools ist ja, dass ich auf einen Blick den Zustand sehe ohne lange darüber nachdenken zu müssen. SCPlugin scheiter aber genau an dieser Aufgabe und ist daher nutzlos. Zuletzt war ich dazu übergegangen, SVN auf der Kommandozeile zu steuern. Aber svn status zu tippen ist halt wenig elegant, vor allem wenn man eine wunderschöne GUI zur Verfügung hat – und genau für solche Aufgaben der Visualisierung von Zuständen ist eine grafische Oberfläche ja so ungemein nützlich.

Zudem fehlt SCPlugin ein Repository-Browser, also muss ich zusätzlich noch svnx oder RapidSVN nutzen. Und auch diese beiden Clients sind jetzt nicht so, dass ich vor Begeisterung vom Stuhl kippen würde.

GUI Toolkits

Okay, ich habe eingangs davor gewarnt, dass mein Vergleich höchst subjektiv sein wird. Das war er bis jetzt schon, nun wird’s aber richtig speziell. Ich schreibe hin und wieder kleine Tools, die eine simple grafische Nutzeroberfläche benötigen. Dafür eignen sich Toolkits wie Tk oder GTK wunderbar, aber diese erfordern auf dem Mac den Start des X11-Fenstermanagers. Die Fensterchen sehen dann entsprechend fürchterlich aus und außerdem hasse ich es, wenn dieses Anwendungsungetüm von X11 starten muss, nur um ein kleines Progrämmchen zu starten. Laut Apple benötigen zumindest Tkinter (Python), GTK+ (der native Port unter gtk-osx.sourceforge.net wurde zuletzt 2004 aktualisiert) und Perl/Tk X11. Für Perl/Tk gibt es als Ersatz Tkx, das ohne X11 läuft, aber eine erhebliche Änderung des Codes benötigt. Für meine grafische Perl-Shell, den Perl Workspace, hatte ich bisher aber keine Lust, das umzuschreiben.

Bliebe noch WxWidgets. Abgesehen davon, dass ich damit noch keinerlei Erfahrung habe, schreckt mich die ellenlange Installationsanleitung ab. Beim genauen Studium der zig Bildschirmseiten findet sich dann auch der Hinweis, dass die ganze Orgie mit nur einer Zeile zu erledigen ist, falls man MacPorts installiert hat – und falls das funktioniert, möchte man hinzufügen, weil das nicht immer der Fall ist, wie ich leidvoll erfahren musste. (Für die Python-Liebhaber gibt es einen recht aktuellen Artikel über wxPython bei O’Reilly.)

Hat da jemand Java gerufen? Ja, ich weiß, Java bietet plattformübergreifende GUI-Programmierung, aber es ist trotzdem ungeeignet für meine Zwecke, denn ich mag Java nicht. Also werde ich weiter auf die klassischen Unix-GUI-Toolkits zurückgreifen müssen, die – und das ist schon fast ironisch – unter Windows meist besser laufen als auf dem zertifizierten Unix namens Mac OS X.

Browser

Safari 3 ist der beste Browser, den ich jemals benutzt habe und das waren so ziemlich alle seit den seligen NCSA Mosaic-Zeiten. Das Ding stellt – zumindest in der Mac-Version – Webseiten unglaublich schnell dar, ist stabil und einfach angenehm zu bedienen. Zum Surfen gibt’s nichts besseres. Ich benötige aber dummerweise immer wieder mal die eine oder andere Firefox-Erweiterung – und die gibt’s dann halt nur für den Firefox. Und der Firefox auf Mac OS X ist eine lahme Ente. Also arbeite ich auf meinem Mac meist mit dem Safari, hin und wieder mit dem Firefox. Das ist weniger produktiv als unter Windows, wo der Firefox fast so schnell und angenehm läuft wie Safari auf dem Mac. Zwar nur fast, aber dafür halt mit allen Erweiterungen.

Tastaturkürzel

Als Programmierer benötigt man häufig alberne Zeichen wie geschweifte Klammern oder den Backslash. Meines Erachtens sind hier beide Systeme mies. Denn ob ich für den Backslash AltGr-ß drücken muss oder Shift-Alt-7 – egal, es ist beides wenig ergonomisch. Auf dem Mac habe ich inzwischen eine Hassliebe zu Cmd-W entwickelt. Diese Kombination schließt das aktuelle Fenster der aktuellen Anwendung. Das ist sehr nützlich, falls mehrere Fenster geöffnet sind und ich das oberste davon schließen möchte, die anderen aber geöffnet bleiben sollen. Da aber Cmd-W gleich neben Cmd-Q liegt, schieße ich mir regelmäßig die komplette Anwendung ab, also auch die Hintergrundfenster, die ich eigentlich offen haben möchte. Unter Windows ist das äquivalente Ctrl-F4 so fingerbrecherisch, dass ich es so gut wie nie einsetze – und Alt-F4 ebenso selten.

Hardware-Auswahl

Dieser Punkt sagt wenig über die tatsächlichen, fast hätte ich geschrieben: objektiven Schwächen der beiden Systeme aus, aber trotzdem ist die Auswahl an Hardware zu berücksichtigen. Sich auf ein Betriebssystem festzulegen, bedeutet dort ein Stück weit gefangen zu sein. Zwar sind diese Lock-In-Effekte längst nicht mehr so dramatisch wie noch vor zehn Jahren, aber es gibt sie immer noch. Als Nachteil empfinde ich das vor allem für Apple. Das mag ungerecht sein, ist aber Realität. Würde ich mich komplett dem Mac OS X zuwenden, wäre ich auf die Apple Hardware festgelegt. Die ist zwar heute großartig, was aber mache ich, wenn sich das morgen ändert? Und Apple als einziger Hardware-Hersteller hat naturgemäß große Lücken im Angebot. So gibt es nun zwar das MacBook Air, aber ein echtes Subnotebook suche ich dort nach wie vor vergebens. Ich hatte gerade im letzten Jahr derartig wechselnde Anforderungen an meine Arbeitsweisen, dass ich mir gerne die Option offen halte, immer auf eine möglichst passende Hardwarevariante zu wechseln. Mit Windows kann ich das, mit Apple bin ich recht beschränkt.

Apropos Hardware: Seit dem Umstieg auf die Intel-CPUs hat der Mac wieder eine konkurrenzfähige Performance, die alten G4-Dinger waren zuletzt doch arg ins Hintertreffen geraten. So schön das nun auch ist, wieder schnelle Mac-Hardware zur Verfügung zu haben, so gibt es doch auch weniger angenehme Dinge, die ich mit dem CPU-Wechsel verbinde. Die MacBooks brauchen deutlich länger sich schlafen zu legen als die alten G4-iBooks. Bei letzteren klappte man den Deckel zu und das Ding schlief augenblicklich ein; das MacBook kann da schon etliche Sekunden brauchen. Hinzu kommt, dass der Suspend-Mode im MacBook manchmal mehr Strom frisst als er sollte. Und auch der einst so souveräne Umgang, wenn man den Monitorstecker im laufenden Betrieb rauszieht, ist bei den aktuellen Modellen nicht mehr ganz so überzeugend. Es kann schon vorkommen, dass ich den Deckel mehrmals auf und zu machen muss, bis das System kapiert, dass nun kein Monitor mehr angesteckt ist.

Fazit

Das mit dem Fazit ist so eine Sache. Ich kann keins ziehen, zumindest kein endgültiges. Offensichtlich geht’s anderen ähnlich, während manche Wechsler eine abgewogene Schlussfolgerung zustande bringen. Derzeit ertappe ich mich dabei, wieder häufiger auf meinem Thinkpad mit Windows zu arbeiten – im Wesentlichen wegen Ultraedit, TortoiseSVN und dem schnelleren Firefox. Aber das kann sich bald wieder ändern, sobald die Anforderungen andere werden. Und das ist wohl das eigentliche Fazit: Egal ob Windows oder Mac – auf beiden Systemen lässt sich wunderbar arbeiten und selbst der kurzfristige Wechsel zwischen beiden ist heute keine Hexerei mehr.

Abgelegt in: Apple Mac

12 Kommentare:

Ja, der Text-Editor. Ich würde es nochmals mit BBEdit versuchen. Es sieht unspektakulär, ja hässlich aus, aber ist sehr zuverlässig und hat alle Features, die ich brauche.

Unter anderem eine brauchbare SVN-Integration.

gruss. luky

Mit BBEdit kam ich am wenigsten zurecht, vielleicht von Emacs mal abgesehen. 🙂

Ich arbeite privat nur mehr mit einem Mac und bin sehr zufrieden damit. Im Vergleich zu dem Windows PCs in der Arbeit, ist es daheim richtig streßfrei. 🙂

Probleme mit Windows PCs kenne ich natürlich zur genüge, sonst wäre ich ja nie auf die Idee gekommen, überhaupt auf den Mac zu wechseln. Allerdings waren/sind meine Thinkpads genau so unkompliziert wie das MacBook: Keine Abstürze oder sonstiger Ärger.

Ich möchte mir Privat auch ein Appel Mac besorgen es ist wirklich zu stressig mit windows da möchte ich jetzt ein Appel MAC wie ich lesen kann seit ihr auch mit dem MAC zufrieden.

Der Unterschied zwischen Windows- und MAC-Systemen ist aus meiner Sicht marginal. Das eine System ist da besser, das andere dort. Auch, wenn Windows manchmal in einigen Punkten unterlegen scheint im Vergleich zum MAC. Windows darf das, denn es war noch nie besser als die Konkurrenz, aber dafür schon immer verbreiteter 🙂 Seit XP kann man endlich ganz gut mit dem PC arbeiten. Wenn ich da an Windows 98 zurückdenke, wie viel Zeit man da mit Problembewältigungsmaßnahmen verschwendet hat. Dazu kamen aus heutiger Sicht lahme Rechner. Eigentlich unzumutbar. Das sollte man nicht so schnell vergessen.

Hi Stefan,

sehr schöner Bericht, der schön auseinanderklamüsert (tolles Wort!), mit welchen Problemen und Schikanen ein „Umsteiger“ zu kämpfen hat.
Ich hätte an deiner Stelle noch das schneller zu benutzende @ Zeichen erwähnt.

Schönen Adventsonnstag

hi! Danke für den nützlichen Artikel. 🙂 – kann man mit Fortsetzung rechnen? Grüße – Christine.

Wir nutzen in unserem Geschäft auch Seit Jahren Macs und sind super happy damit. Ein Problem gibt es allerdings immer wieder: Spezielle Software ist oft nicht für das Mac OSX verfügbar. Das bessert sich schon langsam aber speziell in Randbereichen wie z.B. einer Warenwirtschaftssoftware für einen Onlineshop ist die Auswahl einfach noch sehr sehr gering.(Falls hier jemand ein gutes weis das mit XTC Veyton zusmmen arbeitet bitte gerne melden!)

Ich denke aber das bessert sich immer weiter.

VG

Mythen, Verkürzungen und Unwissenheit im Vergleich PC – Mac.

Immer wieder lese in den verschiedensten Online-Magazinen, auf Blogs oder in Foren diverse Vergleiche der beiden Plattformen PC / Mac bzw. Windows / Mac OSX. Leider gibt es bei quasi allen Vergleichen dieser Sorte Verkürzungen, die mir immer wieder auffallen, und die ich hiermit gerne ein für allemal ausräumen möchte.

1.) Die Hardware: Der Preisvergleich Apple – PC:

Vor allem in Diskussionen in diversen Foren fällt immer wieder die Anmerkung, die Produkte von Apple seien zu teuer. Dieser Punkt wird nur zu gerne als Hauptargument gegen Apple ins Feld geführt. Angeblich bekäme man vergleichbare Computer im PC-Bereich im Schnitt 500 – 1000 (!) Euro günstiger.

Es steht außer Frage, daß Apple die Gewinnspanne mit seinen Produkten bis zum äußersten ausreizt, und offenbar absolut kein Interesse daran hat, eventuelle Preisssenkungen oder Einsparpotentiale an seine Kunden weiterzugeben. Und es kann auch kein Zweifel daran bestehen, daß sich auf einem so riesigen Markt wie dem der PCs von 11 Zoll-Subnotebooks für 249 Euro bis zum 17 Zoll-Highend-Notebook für 3995 Euro einiges finden lässt, das rein preislich günstiger ist als die fünf Produkte, die Apple anzubieten hat. Allerdings gibt es aber einen Fakt, der seltsamerweise niemals berücksichtigt wird, obwohl er so banal ist, daß er für jeden augenscheinlich sein müsste: Computer ist nicht gleich Computer. Und ein reiner Vergleich anhand der technischen Spezifikationen sagt rein garnichts aus. Auf der Hardware-Ebene muss ein PC, der zu einem sinnvollen Vergleich mit einem Mac herangezogen werden soll, neben der technischen Spezifikation mindestens folgende Features bzw. Qualitäten aufweisen, um wenigstens auf gleicher Augenhöhe zu sein:

– Ein vergleichbar robustes Gehäuse wie das der Macs, die aus einem einzigen Block Aluminium bzw. Kunststoff (Macbook Pro / Macbook) gefräst sind.
– Akkulaufzeiten von bis zu 10 Stunden.
– Eine beleuchtete Tastatur.
– Zwei wlan-Antennen und entsprechend einwandfreien Empfang.
– Eine Lüftersteuerung, die den Computer selbst in der leisesten Bibliothek praktisch unhörbar macht.
– Ein Trackpad aus Glas, das eine Touchscreen-ähnliche Bedienung auf einem Komfort-Level möglich macht, der neue Maßstäbe setzt.
– Ein Stromkabel, das bei eventuellem Darüberstolpern nicht den gesamten Computer vom Tisch reißt.
– Ein Design, das diese Bezeichnung verdient hat.
– Vergleichbares Gewicht und Außenmaße.

Alle diese Faktoren sind Pluspunkte der Apple-Produkte. 99 Prozent der auf dem Markt befindlichen PC-Laptops fallen hier bereits raus, weil sie damit noch nichtmal annähernd vergleichbar sind – alleine weil diese meist schlichtweg aus Plastikteilen zusammengeclipst und -geschraubt sind. Alle diese Dinge machen einen signifikanten Unterschied aus und machen sich im alltäglichen Umgang bemerkbar. Diese Innovationen und Dinge zu entwickeln kostet allerdings logischerweise Geld, das der Kunde zahlen muss. Wer einmal gelernt hat, sie zu schätzen, wird den Mehrpreis dafür jedoch gerne in Kauf nehmen. Zumindest jeder Mercedes-Fahrer wird an dieser Stelle wissen was damit gemeint ist.

Als letzten Punkt dieser Kategorie schließlich noch ein weiterer Aspekt: Der Wiederverkaufswert eines Macs liegt häufig um den entsprechenden ursprünglichen Kaufpreis höher, somit ist das investierte Geld noch nichtmal verloren.

2.) Software: Die Basis der Systeme.

In einigen Vergleichstests wird auf die prinzipiellen Unterschiede beider Systeme hingewiesen, diese dann jedoch nicht weiter berücksichtigt. Auch hierbei handelt es sich jedoch um schwerwiegende strukturelle Differenzen, die sich auf die Arbeit mit den Systemen grundlegend auswirken und somit bei einem objektiven Vergleich nicht ausgeblendet werden dürfen.

Die Windows-Plattform zeichnet sich durch eine zentralistische Struktur aus. Die Registry ist die Verwaltungsdatenbank des Systems, und somit auch die Achillesferse. Eine solche Verwaltung bietet gewisse Vorteile, im Falle von Windows ist sie jedoch dafür verantwortlich, daß es zu nicht-reproduzierbaren Fehlern kommt, daß mit laufendem Betrieb diese zentrale Datenbank immer größer wird und der Zugriff darauf entsprechend länger dauert. Bei Programminstallationen werden Einträge in der Registry vorgenommen, die bei der Deinstallation nicht immer restlos entfernt werden und zu einem anwachsenden Berg von Datenmüll führen, der sich auf Dauer bemerkbar macht.
Windows war in der Grundkonzeption nie auf einen Betrieb in einem Netzwerk ausgelegt. Noch 1993 war Bill Gates davon überzeugt, daß das Internet niemals eine große Rolle spielen wird. Mit Einführung von Windows NT und der Verschmelzung von NT und Windows Me in Windows XP wurden die größten Probleme in dieser Hinsicht zwar beseitigt, andere existieren jedoch weiterhin. Bis heute existiert keine wasserdichte und verlässliche Trennung zwischen dem empfindlichen Systembereich und dem Arbeitsbereich des Benutzers. Windows kennt keine effiziente Rechteverwaltung auf Dateiebene, die bestimmte Systemoperationen etwa ausschließlich nach Eingabe eines Passwortes möglich macht oder gar ganz ausschließt. In diesen Punkten liegt auch der Grund für die Anfälligkeit für Viren, Würmer, Trojaner und andere Formen von schädlicher Software. Diese Anfälligkeit existiert auf einem Mac nicht. Mit dem geringen Marktanteil hat dies kaum etwas zu tun, sondern vor allem mit der sicheren Systemstruktur, die kaum Angriffsflächen für Viren bietet.

Microsoft war immer darauf bedacht, möglichst große Abwärtskompatibilität in den Versionen ihrer Betriebssysteme zu gewährleisten. Dies ist ein grundsätzlich positiver Ansatz, führt jedoch dazu, daß die angeführten grundlegenden Schwächen seit Jahrzehnten mitgeschleppt werden. Im Windows-Unterbau finden sich immernoch Spuren von MS-DOS, das bereits Ende der 1970er Jahre, als Bill Gates es von einer Fremdfirma für einen Spottpreis erwarb, hoffnungslos veraltet war. Die Geschichte wie es ihm trotzdem gelang, dieses System anschließend dem Computerriesen IBM unterzujubeln, der darum bangte, den Anschluss im damals aufkommenden PC-Sektor zu verlieren (Der übrigens in den ersten Jahren von Apple dominiert wurde), ist längst Legende.

Mac OS X basiert im Unterschied zu Windows auf einem Unix/Linux-Kernel. Apple hat auf dieser Grundlage sozusagen eine eigene Linux-Distribution entwickelt und optimal auf die selbst hergestellte Hardware abgestimmt. Mit allen anderen Linux-Versionen teilt OS X somit die allen Linux-Freunden bekannten Vorteile: Eine flexible, dezentrale Systemstruktur, eine Architektur, die von den ersten Unix-Tagen nie auf etwas anderes ausgelegt war als auf Netzwerkbetrieb. Entsprechend existieren Dateirechte und eine strikte Trennung zwischen System und User-Bereich. Eine zentrale Datenbank wie die Registry gibt es nicht. Programme werden an einem einzigen Ort installiert und legen maximal noch seperate Konfigurationsdateien an, die jedoch keinerlei Auswirkungen auf die Performance des Systems haben und meistens auch keinen nennenswerten Festplattenplatz belegen. Die Programmverwaltung bei einem solchen System ist besonders bei OS X denkbar einfach: Bei einer Programminstallation wird ein einziges Icon (das in Wirklichkeit das gesamte Programmpaket enthält) in das Programmverzeichnis kopiert. Soll das Programm wieder entfernt werden, wird dieses Icon wieder gelöscht – das ist alles.

3.) Die Zuverlässigkeit des Systems auf lange Sicht.

Ein neuer Computer ist meist sehr performant und alles funktioniert einwandfrei. Die meisten redaktionellen Systemvergleiche können verständlicherweise keine Langzeittest anstellen. Im Alltag der Anwender spielt die Zuverlässigkeit des Systems im Hinblick auf zumindest 3-5 Jahre allerdings eine große Rolle. Als Konsequenz der oben genannten architektonischen Unterschiede tun sich auf längere Sicht zwischen OS X und Windows nämlich mitunter Welten auf.

Bei OS X sind selbst nach jahrelangem Betrieb keine nennenswerten Performanceverluste zu verzeichnen. Das System wird weder unstabil, noch langsamer. Hierbei handelt es sich besonders bei Windows um ein grundlegendes Problem. Abstürze gehören spätestens seit Windows XP zwar der Vergangenheit an, durch die größer werdende Registry sind jedoch auf Dauer weiterhin deutliche Geschwindigkeitseinbuße vorprogrammiert. Bei intensiver Nutzung ist somit eine regelmäßige Neuinstallation des gesamten Systems meistens kaum zu vermeiden. Viele PC-Nutzer unterliegen dabei der Illusion ihr Computer sei nunmal „alt“ und entsprechend langsamer geworden, und dieses Verhalten sei normal. Daß es sich lediglich um eine Schwäche des Betriebssystems handelt, ist ihnen oft nicht bewusst.

Die Offenheit und Vielfalt der PC-Plattform ist in vieler Hinsicht ein enormer Vorteil gegenüber dem eher geschlossenen System von Apple. Die Kehrseite aber lässt sich am besten mit dem Sprichwort verdeutlichen: „Viele Köche verderben den Brei“. Auf einem Windows-System ist jeder Hardware-Hersteller der Überzeugung, das einzig optimale und nutzbare Programm zur Nutzung des eigenen Gerätes sei das Eigene. Zudem erweitern viele Hersteller ihr Software-Spektrum noch um weitere Anwendungsbereiche. Lässt man sein Windows nicht von einem erfahrenen Anwender installieren, wird der unbedarfte Nutzer bei dem Ziel einen Druckertreiber zu installieren sehr häufig unbeabsichtigt zugleich ein Programm zur Bildbearbeitung, eine Brennersoftware, ein Backup-Tool, einen Treiber-Update-Daemon sowie eine CD-Etikettier-Software mitinstallieren. Das gleiche passiert möglicherweise bei der Installation des Treibers für die Digitalkamera oder den Scanner. Nicht selten nisten einige dieser Programme sich im Autostart-Bereich ein, laufen somit permanent, produzieren Meldungen und verlangsamen das System. Um diesem Chaos Herr zu werden, hat Microsoft seit Windows Vista gar eine eigenes Management dieser Programme hinzugefügt, das vor allem dafür sorgt, daß diese sich nicht mehr allzu häufig bemerkbar machen. Leider laufen sie aber weiterhin – mit den schon genannten Nachteilen.

Erst an dieser Stelle dürfte nun ein reiner Vergleich der Betriebssysteme auf reiner Funktionsebene sinnvoll werden. Weiterhin unberücksichtigt würden aber selbst dann noch schwer objektivierbare Aspekte bleibem wie das gesamte Bediengefühl, das bei Windows möglicherweise mitunter „direkter“ ist, sich bei einem Mac aber eher nach einem runden Gesamtkonzept anfühlt. Viele Programme interagieren bei OS X automatisch miteinander, die Bedienoberfläche ist häufig sehr konsistent gestaltet, wirkt sehr aufgeräumt und im Grunde funktionieren alle Programme nach den gleichen Prinzipien, weil Apple sehr strikte Guidelines vorgibt.

Die Kombination aus den Multitouch-Möglichkeiten des Trackpads und dem „runderen“ Bediengefühl führt insgesamt zu einem „organischen“ Look&Feel, das in der PC-Welt ebenfalls kaum zu finden ist. Die Kombination aus aktiven Ecken, Exposé, aufspringenden Ordnern im Finder, Gestenbedienung der Programme mit mehreren Fingern gleichzeitig lässt die Bedienoberfläche flüssig und unglaublich flexibel wirken. Die Bedienung der Windows-Oberfläche über die meist sehr kleinen und schlecht konzipierten Trackpads der PC-Welt fühlt sich im Vergleich überraschend altbacken an. Einen Knopf in der Taskleiste drücken zu müssen, um den Desktop sehen zu können, statt den Mauszeiger einfach schnell in eine der Eckend es Bildschirms zu schieben, wirkt anstrengend wie das Einparken eines LKWs ohne Servolenkung. Die Windows-Oberfläche fühlt sich nach Gewöhnung an OS X an als hätte man ein Brett vor dem Kopf.

Es gäbe noch duzende weitere Einzelheiten und Annehmlichkeiten zu nennen, auf die man nach ein paar Monaten mit einem Mac nie wieder verzichten würde, und die in der Windows-Welt schlichtweg nicht existieren. Häufig macht sich auch einfach nur die Abwesenheiten von Ticks, an die man sich bei Windows längst gewöhnt hat (etwa den Standby-Modus nicht wirklich benutzen zu können, oder der umständliche Umgang mit Wechselmedien wie USB-Sticks) angenehm bemerkbar.

In jedem Fall sollten die hier angeführten Aspekte jedem rein funktionalen Vergleich vorangestellt sein, um wirklich beide Systeme im Gesamten miteinander vergleich zu können. Alles andere wäre der buchstäbliche Vergleich von Äpfeln mit Birnen.

Hallo Peter,
danke für deinen ausführlichen Kommentar!

Sehr schöner Bericht. So kann man sich einen vernünftigen Überblick über beide Geräte machen, bevor man sich für einen Kauf entscheidet.

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