Beijing vs. Peking

Stefan - 12. August 2008

Seit die Olympischen Spiele in Peking (siehe auch Mein Olympia-Boykott) begonnen haben, fällt mir auf, dass immer häufiger statt des üblichen deutschen Ausdrucks Peking die Bezeichnung Beijing benutzt wird. Hier einige Beispiele:

  • Medien beklagen Behinderung durch Behörden in Beijing
  • Olympische Pandas in Beijing
  • Olympische Spiele in Beijing: Hotels bleiben zur Hälfte leer
  • Vorolympischer Besuch: Blond in Beijing
  • Wie das Symbol der Olympischen Spiele 2008 für Beijing entstand

Was bitte soll dieser Unfug? Peking ist Peking und nicht Beijing. Punktum. Beijing ist ja nichts anderes als die Lautschrift des chinesischen Namens für Peking. Aber warum sollte ein deutscher Autor die Lautschriftversion eines Namens benutzen, für den es eine deutsche Bezeichnung gibt? Ist das vorauseilende politische Korrektheit? Oder intellektuelle Coolness? Oder einfach nur gedankenlos und dumm? Okay, hätten die Nazis jemals die Zerschlagung Rest-Pekings gefordert, wäre der Namenswechsel verständlich. Aber so?

Wie sieht das dann in ein paar Jahren aus? Berichten deutsche Zeitungen künftig über leere Hotels in Roma? Oder über blonden Besuch in Praha? Und müssten vorbildliche Journalisten dann nicht in Berichten über die Spiele von 1980 vom Boykott von Moskwa schreiben – oder gar vom Boykott von Москва? Auch wenn letzteres wohl manche technische Vervielfältigungseinheit (Schreibmaschine, Druckmaschine, Browser) überfordern könnte.

Wieso kann ich mich eigentlich an keine deutschen Berichte zu den letzten Winterspielen erinnern, in denen vom Doping in Torino berichtet wurde? Klingt das womöglich nicht cool genug? Oder steckt da die Angst vor dem nächsten Großereignis im Grödnertal dahinter, das auf italienisch Val Gardena heißt? Denn Val Gardena wäre ja ebenfalls nicht wirklich politisch korrekt, wird doch im Grödnertal, pardon: in Gardeïna verbreitet ladinisch gesprochen – und das Ladinische sollte nach der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen auch „in Medien besonders gefördert werden“.

Wer also weiterhin Beijing statt Peking schreibt, sollte sich auch bei allen anderen Namensbezeichnungen dreimal überlegen, welcher Ausdruck nun der korrekteste (sic!) sein könnte. Und wenn 2018 tatsächlich die Winterspiele nach München kommen, erwarte ich die politisch extrem korrekte Überschrift Hotels in Minga komplett ausgebucht!.

Nachtrag: Wie nicht anders zu erwarten, gibt es dafür einen eigenen Ausschuss: Den Ständigen Ausschuss für geographische Namen. Dabei handelt es sich um ein Wissenschaftlergremium ohne besondere institutionelle Verfassung. Dieser Ausschuss gibt eine Liste mit deutschen Wörtern für fremde geographische Bezeichnungen (sogen. Exonyme) heraus. In dieser Liste finden sich viele weitere spannende deutsche Wörter und deren politischhochkorrekte Umschreibung.

Wer also künftig Bezeichnungen wie Peking zugunsten von Beijing aufgeben möchte, soll sich bloß nicht erwischen lassen, Mount Everest zu schreiben! Qomolangma Feng wäre nämlich korrekt. Einen Tibet-Konflikt gibt es demnach auch nicht, sondern höchstens einen Xizang-Konflikt. Versteht zwar keiner, ist aber schön richtig. Und wer jetzt noch eine Kanton-Ente bestellt, den holt der Teufel. Es sei denn, er kann seine Bestellung eben noch in Guangzhou-Ente korrigieren.

Abgelegt in: Politics

16 Kommentare:

Also ich finde deine Reaktion ein wenig übertrieben! Lass die Leute doch Beijing sagen wenns ihnen gefällt. Schließlich haben die jetzt ein neues Wort für Peking gelernt, nämlich Beijing! Und das müssen sie doch ein wenig üben! 🙂
Ach und da ich aus München komme, bin ich ganz klar für MINGA!!! 😉

Es soll ja jeder sagen, wie er’s möchte, klaro. Wobei kein Mensch „Beijing“ sagt, und wer’s versucht, sagt’s bestimmt falsch. Dass aber Journalisten – Profis also – aus unerfindlichen Gründen plötzlich Beijing schreiben, nur weil’s so in Mode ist, das nervt mich. Privat soll das jeder machen wie er mag, aber von professionellen Schreibern erwarte ich einen professionellen Umgang mit der Sprache. Und ein deutsches Wort ohne ersichtlichen Anlass durch ein obskures Fremdwort zu ersetzen ist unprofessionell.

[…] 6. Beijing vs. Peking (fischerlaender.net, Stefan Fischerländer) Stefan Fischerländer, der sich zurzeit eigentlich im Olympia-Boykott befindet, schreibt über die olympischen Spiele. Und zwar stört er sich am “Unfug”, Peking als Beijing zu schreiben: “Peking ist Peking und nicht Beijing. Punktum.” Schliesslich würde auch niemand von Roma, Praha, Moskwa, Torino oder Minga schreiben. […]

Na das ist doch nur die Steigerung von Mon’real anstatt von Montreal bei den ganz coolen Sportreportern.

Aber der Knüller ist da immer noch „Londn“ – erst kürzlich wieder im deutschen Fernsehen vernommen.

Die Kritik ist berechtigt – wenn auch nicht ganz korrekt. Es handelt sich ja nicht einfach um die deutsche „Lautschrift des chinesischen Namens für Peking“ – denn die wäre ja „Beydsching“ oder ähnlich. Es handelt sich um die englische Lautschrift. Für mich ist das nur ein weiteres Beispiel für das immer noch ach so hippe Denglisch bei Ortsnamen, ähnlich wie „Westbank“ oder „Mittlerer Osten“. Oder um schlichte Faulheit von Möchtegern-Jetset-Journalisten. Man soll es auch nicht glauben, wenn einer von denen schreibt, dass „Polizeioffiziere vor dem Gymnasium unter Pinien stehen“ – meist sind es schlichte Polizisten unter gewöhnlichen Kiefern vor einer Turnhalle. 🙂

Till,
das ist weder die deutsche noch die englische Lautschrift, sondern die Pinyin-Schreibweise – abzüglich der nichtlateinischen Häckchen über dem e und dem i. Mit Denglisch hat das also ausnahmsweise wenig zu tun – außer vielleicht der Wurzel, dass beides gemacht wird, weil’s so „hip“ klingt.

Wie wahr, wie wahr. Oder doch wie war?

In Zeiten des schnellen Tastatur-Tipperns zählt die Orthographie doch schon lange nicht mehr. Neue Wortkreationen und „(Aus)schreiben in Umgangssprache“ gehört da doch auch lange dazu. Die Medien müssen sich anpassen, sonst werden sie nicht mehr verstanden 😉

Ums Verstehen geht’s hier sicherlich nicht. Denn Beijing ist weniger verständlich für das Gros der Leser als Peking. Ich hab ja nichts gegen Fremdwörter, aber warum soll plötzlich die Hilfskonstruktion – nichts anderes ist die Lautschrift Beijing ja – ein etabliertes Wort der deutschen Sprache ersetzen?

Nachdem ich meinen Fehler mit der Lautschrift (international, nicht englisch) eingesehen habe, gebe ich Stefan nun zu 100 Prozent Recht. Die Medien sollten als Maßstab ihre Zielgruppe nehmen, nicht ihre eigene Hippigkeit. Wenn ich Abends in der Kneipe mit Freunden von den „Spielen in Beijing“ spreche, halten die mich für etwas überkandidelt – weil alle „Peking“ sagen. Und so sollte es auch in den Medien sein.

Vollkommen egal, ob man es nun Bejing oder Peking schreibt und spricht, Hauptsache, die Stadt gefällt.

Diese Art der Verballhornung der deutschen Sprache ist leider allzu oft zu finden und das ohne jeglichen Grund. Auch wenn während den Olympischen Spielen bei den Berichterstattungen meist von Beijing die Rede ist, wird danach Peking in unserem Sprachgebrauch üblich bleiben. Letztendlich kann dies trotzdem jeder so handhaben wie er möchte.

Beijing klingt richtig dumm.. Pff.. Gefällt mir überhaupt nicht!!

ich find‘ beijing gut!
das steht irgendwie für eine neue zeit – wachstum & moderne.
bei peking denke ich an kaiserreich, holzhütten etc.
alles wird globaler, internationaler. wenn ich mich mit einem engländer über ‚peking‘ unterhalte kann es zu verständigungsproblemen kommen.
beijing gehört die zukunft.

Leute… wie ihr euch über sowas so aufregen könnt…
Peking war mal nicht nur in Deutschland, sondern in der gesamten westlichen Welt der Name für die chinesisch Hauptstadt. 1949 führet China eine neue offizielle lateinische Lautschrift ein: Pinyin. Hierauf wurde Peking zu Beijing in den offiziellen Dokumenten Chinas. Erst in den 80er Jahren wurde Beijing in anglophonischen Ländern üblich. Es scheint mir das Deutschland sich einfach gegen diese Neuerung entschieden hat. Fakt ist, die ganze Welt sagt mittlerweile Beijing, und wir noch Peking. Peking wird international als altmodisch und konservativ angesehen.

Warum sollte man überhaupt Namen derart verändern?
Wir sind alle Menschen und eine chinesische Zunge ist vielleicht geübter in ihren Worten als eine deutsche aber dennoch können wir ihre Sprache (einigermaßen problemlos) mittels Lautschrift aussprechen und lesen.
Es wäre für die internationale Gemeinschaft und Kommunikation nur mehr als förderlich endlich damit anzufangen sämtliche Städte, Länder und überhaupt Orte mit einer Latinisierung zu übernehmen statt dafür eigene Worte auszudenken. Das ist irgendwie etwas veraltet in Zeiten von Internet und Co.

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