Die Web 0.0-Kampagne der Süddeutschen Zeitung

Stefan - 10. Dezember 2007

In schöner Reihenfolge erscheinen in der Süddeutschen Zeitung Artikel über Artikel, die sich in eine Anti-Web-2.0-Kampagne einreihen lassen. In der Samstagsausgabe hat nun Bernd Graff dieser Kampagne gleich den passenden Namen gegeben: Web 0.0. Tom Alby hat in seinem Blog den Artikel bereits sachkundig beantwortet. Deshalb möchte ich hier nur auf einen kleinen, aber wie ich finde, gewichtigen, Aspekt eingehen.

Kern der Anschuldigungen gegen das Mitmachweb ist stets das Amateurhafte, das die klassischen Journalisten den Veröffentlichungen im Web unterstellen. Zwar gibt Graff durchaus zu, dass es “hervorragende Expertenzirkel und phantastische Communities mit hoher Sachkenntnis” gebe – um nur wenige Zeilen später über den vermeintlichen “Loser generated content” zu schwadronieren und “Fehlinformation, Denunziation und Selbstdarstellung” als “Tagesgeschäft im Netz” zu bezeichnen.

Diese Anschuldigungen entfalten ihre Absurdität erst dann so richtig, wenn man als typische Tageszeitungslektüre nicht nur die Süddeutsche vor sich hat, sondern auch andere, kleinere Zeitungen. So lag am Samstag neben der Süddeutschen auch meine Regionalzeitung, die Passauer Neue Presse (PNP), auf dem Frühstückstisch. Und in diesem Kontext erhalten Graffs Vorwürfe plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Natürlich gibt es im Web jede Menge Schrott. Doch die Qualität des gesamten Web mit der Qualität der wenigen herausragenden Tageszeitungen zu vergleichen ist unredlich. Denn umgekehrt sähe die Gattung “Tageszeitung” plötzlich ganz alt aus, würfe man alle Zeitungen in einen Topf und vergliche diese dann mit den hochwertigen Inhaltsangeboten des Web.

Zynisch stellt Bernd Graff die Frage, ob denn “Leute, die ihr Poesiealbum veröffentlichen, Meinungsführer werden sollen”. Ein kurzer Blick aufs Bildblog sollte entscheiden helfen, wen man sich lieber als Meinungsführer wünscht.

Abgelegt in: Web 2.0

4 Kommentare:

Ich habe nach über zwei Jahren Treue mein SZ Abo gekündigt. Die Qualität der Zeitung hat sich einfach stetig über Jahre hinweg verschlechtert. Der Wirtschaftsteil ist ein Witz – ebenso der Medien/PC-Bereich. Ich hoffe die Entscheidung zur FAZ zu gehen, ist die Richtige…

Also, ich würde mich da nicht so irritieren lassen. Die SZ habe ich abonniert und finde sie nach wie vor sehr lesenswert. Ich glaube, dass sich die Tageszeitungen einfach erstmal auf die neuen Trends einstellen müssen. Natürlich wir durch das Web auch Leserschaft abgezogen, aber irgendwann werden die meisten begreifen, dass Print- und Online Medien nur in einer Art symbiotischen Koexistenz leben können. Und es ist nur gur, dass es das Korrektiv durch web 2.0. gibt, denn eine Meinungsmacht im Web lässt sich nicht so leicht kaufen, wie in den Printmedien.

Über den Sinn oder Unsinn mancher Web 2.0-Anwendung kann man gerne diskutieren, ebenso über den Hype, der allerorten daraus gemacht wird. Allerdings waren inzwischen mehrere Web 2.0-Artikel in der SZ einfach schlecht. Und da stellt sich mir immer sofort die Frage: Sind womöglich die Artikel in anderen Ressorts, wo ich viel weniger Einblick habe, genau so schlecht recherchiert? Eine seriöse Tageszeitung lebt davon, dass ich als Leser ihrer Berichterstattung vertrauen kann. Wird dieses Vertrauen zu oft erschüttert, fange ich an zu zweifeln.

Der ganze Nachrichten Markt wird derzeit kräftig durchwirbelt. Grund ist Google und deren Marktmacht

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