Planetopia und das lahme DSL – eine Mogelpackung

Stefan - 26. November 2007

Gestern nacht stolperte ich über einen Filmbeitrag im Sat1-Magazin Planetopia. Die Redaktion berichtet dort unter dem Titel „Mogelpackung DSL-Verbindung“ über angeblich zu langsame DSL-Verbindungen, die viele Provider dem Kunden unterschieben würden. Als „Beweis“ führte der Beitrag das Problem einer Hobbyfotografin an, der das Hochladen ihrer Bilder trotz 16.000er-DSL-Anschluss zu langsam vonstatten geht:

Und die [Bilder] lädt sie dann übers Internet auf ein Fotoportal hoch. Aber das kann dauern.
‚Ich hatte vorher eine 2000er-Leitung, jetzt habe ich eine 16000er-Leitung. Ich hab deshalb gewechselt, weil ich öfters mal Filmchen hochlade. … Ja aber ich hab das Gefühl, dass sich das gar nicht so großartig verändert hat, dass es irgendwie immer noch langsam ist.‘

Die dann durchgeführte Messung zeigt, dass der Upload einer 5 MB großen Datei 3:19 Minuten dauert. Das entspräche also einer Bandbreite von 237 KBit/s – was im Beitrag so nicht erzählt wird, ich habe das nur hochgerechnet.

Zum Vergleich messen wir nun unter Laborbedingungen. Wir wollen wissen: Wie schnell ist der gleiche Upload mit exakt 16.000 KBit? Das Ergebnis scheint zunächst unfassbar. Bei voller Leistung dauert der Prozess gerade mal 44 Sekunden.

Upload mit 16.000 KBit? Ich verstehe ja, dass im Fernsehen manche Dinge komprimiert und vereinfacht dargestellt werden müssen, aber die Tatsachen derart zu verdrehen, halte ich für dreist. Eine Redaktion, die sich regelmäßig Computerthemen vornimmt, sollte den Unterschied zwischen Upload- und Download im Asymmetrischen DSL verstanden haben.

Zudem verrät ein Blick in die AGBs der Telekom, dass im Produkt „DSL 16000“ keineswegs 16.000 KBit/s garantiert werden, sondern ein „Bandbreitenkorridor“ angegeben ist:

T-DSL 16000 wird mit einer Übertragungsgeschwindigkeit innerhalb eines Bandbreitenkorridors von 6.304 kbit/s bis zu 16.000 kbit/s für den Downstream (auf der Anschlussleitung in Richtung des Kunden) und von 576 kbit/s bis zu 1.024 kbit/s für den Upstream (auf der Anschlussleitung aus Richtung des Kunden) überlassen.

Ebenfalls frech ist, den Geschwindigkeitsvergleich anhand eines Uploads auf ein Internetportal zu demonstrieren; zu viele fremde Faktoren spielen hier eine Rolle. So zeigt denn ein „reinrassiger“ Speedtest immerhin eine Uploadgeschwindigkeit von 514 KBit/s an – eine Geschwindigkeit, die 89 Prozent des Bandbreitenkorridors erreicht. Das ist ein ganz anderer Wert als die zuvor explizit erwähnten 22 Prozent in der Milchmädchenmessung mit dem „Internet-Portal“.

Richtig gehend grotesk, ja sogar gefährlich wird es, wenn ein so genannter Computerexperte ausdrücklich empfiehlt, die Windows-Firewall auszuschalten, nur um die DSL-Geschwindigkeit messen zu können:

Vor dem Messen die Firewall ausschalten und alle Programme, die aufs Internet zugreifen, schließen. Außerdem WLAN ausschalten, falls vorhanden.

Retro-Coding.de bringt es auf den Punkt, was die Konsequenzen sein dürften, folgt man diesem Ratschlag:

Sehr lustig, wenn man bedenkt, dass ein Windows-PC, auch voll gepatscht, heutzutage nach spätestens 10 Minuten „platt“ sein dürfte, wenn man die Firewall ausmacht.

Planetopia hat es mit diesem Beitrag geschafft, ein durchaus interessantes Thema komplett in den Sand zu setzen. Natürlich ist es äußerst fragwürdig, zumindest in der Werbung die Zahl „16000“ hervorzuheben und dann nur einen Bruchteil davon zu liefern. Allerdings sollte ein Journalist, der darüber berichtet, wenigstens Uploads von Downloads unterscheiden können. Ansonsten disqualifiziert er sich und seine Berichterstattung.

Abgelegt in: Web

3 Kommentare:

Huth ab! 🙂

Aber ist es auch nicht so, das diese Video- bzw. Bilderportal auch nur eine bestimmte max. Geschwindigkeit zulassen damit ihr Server nicht überlastet wird? Planetopia ist eh eine sehr fragwürdige Sendung. Gib es keinen Skandal, wir machen einen!

Da kann ich mich nur Grilli anschließen. Planetopia ist wirklich eine sehr fragwürdige Sendung. Bei der Art und Weise von Berichterstattung würde die Sendung prima zu RTL2 passen. Dort werden auch nur Berichte gezeigt, die entweder schon uralt oder nicht ganz sachlich recherchiert worden sind.

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