Zwanzig Jahre Suchmaschinenmarketing: suchmaschinentricks.de ging am 1.4.2000 online

Heute vor zwanzig Jahren, am 1. April 2000, habe ich mein Online-Magazin suchmaschinentricks.de gestartet. Blogs waren damals quasi noch unbekannt, und der Ausdruck SEO war ebenfalls noch nicht geläufig. Die wichtigste Trafficquelle war Yahoo mit seinem Indexlieferanten Inktomi.

Startseite suchmaschinentricks.de im April 2000

Ich hatte mich die Monate zuvor aus purer Neugier intensiv mit dem beschäftigt, was später als SEO bekannt werden sollte. Vor allem die Foren auf searchengineforums.com von JimWorld haben mir dabei geholfen, dazu natürlich eigene Experimente. Jedenfalls war ich im März vor zwanzig Jahren erkältet, konnte nicht richtig arbeiten, um aber eine kleine Website mit Microsoft Frontpage zusammenzuschustern, hat’s gereicht. Das Ergebnis war eine framebasierte Website, die statisches HTML munter mit PHP gemischt hat. Dabei nutzte ich das damals noch recht neue PHP 3, was sich auch in den URLs an den Dateiendungen („.php3“) zeigen sollte. Aber schon vor zwanzig Jahren war der Inhalt wichtiger als die Technik.

Suchmaschinentricks.de ging also am 1. April live, und ich meldete die Website bei Yahoo an. Ein Eintrag in den dortigen Webkatalog war zu jener Zeit die Königsdisziplin des Online-Marketings. Mein kleines Magazin wurde nicht nur kurz darauf tatsächlich in den Katalog aufgenommen, sondern wurde auch noch Website des Tages. Das führte zu erheblichem Verkehr und nach eine Woche war mein monatliches Trafficbudget bereits verbraucht. Doch da quasi zeitgleich ein Reisebüro anrief, um mich als Berater zu buchen, war das zu verschmerzen. So lernte ich, dass ich mit diesem Suchmaschinenkram Geld verdienen konnte; auf die Idee war ich vorher nicht gekommen.

Eintrag im Yahoo-Webkatalog

Inspiriert von den US-Foren, in denen ich so viel gelernt hatte, wollte ich auch ein kleines Forum eröffnen. Natürlich haben mir die vorgefertigten Forenlösungen nicht gefallen, also habe ich schnell eine eigene Lösung programmiert. Die sah, glaub ich, ganz ordentlich aus, aber es mangelte an allen Ecken und Enden an Funktionen. Es gab doch tatsächlich Nutzer, die wollten eigene Beiträge nachträglich bearbeiten können, so als hätten sie nicht vorher nachdenken können, was sie zu schreiben beabsichtigten. Und wenn ein Post mal im falschen Unterforum landete, musste ich in die Datenbank und die Verknüpfung anpassen. Eins wundert mich aber bis heute: Wieso wurde das recht abenteuerlich zusammengestrickte Forum nie gehackt?

Der erste Thread im Forum

Zum Höhepunkt des Forums waren über 5.000 Nutzer registriert, darunter viele heute sehr erfahrene SEO-Kollegen. Und immer wieder spricht mich auf einer Konferenz jemand darauf an, dass er damals dank des Forums erst den Weg in die Branche gefunden hat.

Nach sechs Jahren intensiver Nutzung stellte ich das Forum 2006 ein. Zu viel Business passierte inzwischen rund um das Thema und das führte zu immer mehr Diskussionen an der Grenze zur Geschäftsschädigung. Jedenfalls war ich zeitweise zu viel damit beschäftigt, aufgebrachte Dienstleister zu beruhigen, die sich durch einen Forenbeitrag diffamiert sahen. Und einmal stand sogar die Kriminalpolizei vor der Tür, weil ein Nutzer einen anderen wegen Beleidigung im Forum verklagt hatte.

Dreizehn Jahre nach dem Launch, die Website dümpelte mir ihren alten Inhalten und Tools vor sich hin, bekam ich überraschend eine Mail von Google, genauer vom Adsense-Team. Ich hätte, so die Beschwerde, Adsense-Anzeigen auf Seiten mit „nicht jugendfreiem Content“ platziert. Auf suchmaschinentricks.de wohlgemerkt. Wie sich herausstellte hatte Google viele Ergebnisseiten meines Tools „Keyword-Check“ indexiert, mit dem Nutzer die Keyword-Dichte einer beliebigen Website messen konnten. Darunter waren auch Ergebnisse von erotischen Seiten – und die hatte Google natürlich suchmaschinentricks.de zugeordnet. Wie Google diese URLs gefunden hat, weiß ich bis heute noch nicht genau.

Googles Adsense-Beschwerde

Am heutigen 1. April muss ich natürlich auch an meinen Aprilscherz des Jahres 2003 erinnern. Die USA waren gerade in den Irak einmarschiert, Deutschland und Frankreich wollten sich daran nicht beteiligen, was zu erheblichen Verwerfungen im transatlantischen Verhältnis führte. Unter dem Titel „Google streicht deutsche und französische Seiten aus dem Index“ veröffentlichte ich dazu eine scherzhafte Nachricht, in der es u.a. hieß:

Google Inc. hat heute auf Drängen der US-Regierung alle deutsch- und französischsprachigen Seiten aus seinem Datenbestand entfernt. Nach Ansicht des Regierungssprechers Ari Fleischer sei es „nicht akzeptabel, dass mit amerikanischen Steuermitteln das Surfvergnügen der Kriegsverweigerer aus Deutschland und Frankreich unterstützt wird, während unseren Jungs der Sandsturm ins Gesicht bläst.“

Damals reichten solch einfache Scherze noch aus, um schöne Links abzustauben. Das lag wohl daran, dass der Ausdruck Linkbait im Jahr 2003 noch nicht allseits bekannt gewesen ist.

Heise berichtet über den Aprilscherz 2003

Ich war der Meinung, der satirische Charakter der Meldung wäre klar genug zu erkennen gewesen. Offenbar hatte ich mit dabei getäuscht. Ich bekam mehrere Mails mit teils bitterbösen Beschwerden. Die einen hielten mir einen tumben Antiamerikanismus vor. Andere glaubten die „Nachricht“ und meinten, sie würden den Amerikanern ja eh alles zutrauen. Und schließlich, so schrieb mir ein Leser, hätte ich damit jegliche Glaubwürdigkeit in seinen Augen verspielt und er würde nie wieder ein Wort von mir glauben.

Suchmaschinentricks-Aprilscherz 2003

Ein paar Jahre musste dieser Mailschreiber mich noch aushalten, dann hatte ich immer weniger Zeit für mein kleines Magazin. Zudem fand ich in der langsam professioneller werdenden Szene nie die passende Ausrichtung dafür, so dass ich schließlich suchmaschinentricks.de nach einigen halbherzigen Rebranding-Versuchen einfach auf mein persönliches Blog weiterleitete.

Eines aber ist sicher: Hätte ich nicht vor zwanzig Jahren die „Schnapsidee“ zu suchmaschinentricks.de gehabt, wäre ich nicht in dieser Branche gelandet und ich hätte viele wunderbare Menschen nicht kennengelernt. Wie gut, dass ich damals erkältet war.